Sonntag, 3. Dezember 2006

Katerliebe

Im Elternhaus meines Freundes gibt es einen einäugigen Kater. Polyphem haben wir ihn aus genau diesem Grund genannt. Und Polyphem liebt mich. Er hat mich vom ersten Tag an geliebt, als wir ihn völlig abgemagert, mit einer riesen Wunde an einer Seite und einem zu Tischtennisballgröße geschwollenen Auge vor guten vier Jahren an der Terrassentür gefunden haben. Ich habe eigentlich nur mit ihm geredet, anfassen wollte ich ihn nicht so wirklich, wer weiß was das Tier schon alles an Ungeziefer und sonstigen Dingen an sich trägt. Ich habe mit ihm geredet, und ihm, aus Ermangelung von Katzenfutter, eine Schale Griesbrei mit Sahne hingestellt. Das halb verhungerte Tier hat alles ratzeputz weggefressen. Seither ist unsere Liebe besiegelt.

Die Wunde ist schon lange verheilt, das Auge abgeschwollen (aber nicht mehr wirklich vorhanden), der Kerl ist inzwischen quicklebending und hält alle auf Trab. Immer wenn wir dort übernachten, kommt er abends in unser Zimmer und macht es sich auf meinem Bett bequem. Auf meinen Füßen, oder auch dazwischen, wie auch immer ich gerade liege. Ich bin es nicht gewöhnt, mit Katze auf den Füßen zu schlafen. Wenn ich mich umdrehe, steht er kurz auf, schaut wie ich mich drehe, und legt sich dann wieder hin.

Heute, so bei Dämmerungsbeginn, ist der Kerl dann wach geworden und hat gemeint, im Zimmer herumkaspern zu müssen. Er hat mit Schokoladenpapierln gespielt, Pflanzen gefangen, ist um meine Matratze rumgestiefelt, bis ich dann mal aufgewacht bin.
Hey, spielen, scheint sein Blick zu sagen.
Ich will nicht spielen, ich bin müde.
Polyphem legt sich neben mich und will gestreichelt werden. Ich lange mit der Hand zu ihm hinüber fahre ihm kurz durchs Fell, bis ich selbst wieder in einen Dämmerschlaf verfalle. Irgendwann kommt es mir, dass es auf einmal so laut schnurrt. Ich mache die Augen auf und wäre fast rückwärts aus dem Bett gefallen. Uuuuaagghh!!!! Ein Katzenkopf direkt vor meinen Augen. Der Kasper scheint zu grinsen.
In den nächsten Minuten stiefelt Polyphem noch ein paar Mal über mich drüber und versucht mich zu irgendeiner Aktion zu animieren. Grummelnd stehe ich auf und schmeiße ihn hinaus. Ich bin müde, ich will weiterschlafen.

Aber ich liebe ihn, diesen kleinen, verspielten, liebevollen Kerl.

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