Freitag, 2. Februar 2018

Immer wieder freitags ...

... erfasst mich diese verdammte Traurigkeit. Letzte Woche der Absturz, diese Woche atemraubende Traurigkeit. Ich meide das Haus meiner Mutter / meiner verstorbenen Omi so weit ich das kann. Freitags jedoch haben meine Kinder dort ihre Musikstunden. Ich kann sie ja wohl kaum an der Straßenecke absetzen und sagen, geht mal zu eurer Oma, macht eure Klavier- und Geigenstunde, ich hole euch dann hier wieder ab. Nein, das geht gar nicht. Ich gehe also da rein, jeder Schritt fällt mir so schwer, Kloß im Hals wächst und eigentlich will ich nur fliehen, mich in sicherer Entfernung verstecken, dann ist der Schmerz nicht so präsent, nicht so schneidend. Kinder abgeliefert, zum Einkaufen gefahren, zurück gekommen. Fremde Leute schleppen Sachen in die untere Wohnung.

Weg. Nix wie weg. Weg, weg, weg, weg, weg, schreit mein Gehirn. Und meint damit sowohl mich selbst als auch die Wohnung meiner Oma. Wo bist du nur, Omilein?

Cool bleiben. Mit Mum noch eine Tasse Tee trinken. Sie ist so allein, in diesem Haus mit lauter Fremden. Es ist herzzerreißend. Laute Musik von unten, es rumpelt, es kracht. Warum, warum, warum, warum, hämmert mein Hirn. Ich verstehe nichts. Als spräche die ganze Welt auf einmal Chinesisch und ich bin der einzige, der es nicht kann. Auch die Emails verstehe ich nicht, die herumgehen, die beweisen und belegen, dass die Angebote an einzugswillige Familienmitglieder eine Farce waren. Nichts als leere Worte. Ein Witz. Warum? Warum nur? Warum nicht gleich nein sagen? Wozu das Theater? Ein klares Nein am Anfang hätte ebenfalls einen ordentlichen Schock verursacht, keine Frage. Aber nicht ein so gewaltiges Erdbeben.

Cool bleiben also, was bleibt einem anderes übrig. Ich komme heim und ich kann mich nur mit größter Mühe davon abhalten, wieder in Tränen auszubrechen, so wie letzte Woche. Schweigen. Nicht reden. Bloß nicht reden. Fühle mich wie eine Statue hinter Glas, die Kinder springen und lachen, ich kann nicht. Möchte nur schreien. Oder nicht mal das.

Morgen muss ich fröhlich sein. Kindergeburtstag steht an. Oh Mann. Ich kriege meine Mundwinkel nicht mal dazu, ein Lächeln auch nur anzudeuten. Mir ist so gar nicht nach fröhlich. Aber eine Nacht schlafen, dann den alltäglichen "sei-stark-du-schaffst-das-schon"-Funktionsanzug überziehen und durch. Durch ... wie lange kann man das durchziehen?

Wie wird man diesen verdammten Monsterkloß im Hals nur wieder los? Gott sei Dank hindert der einen nur am Sprechen, nicht am Schreiben.

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